M. Walking On The Water: Dogma 13 oder des Wesens Kern

M. Walking On The Water haben mit „Dogma 13“ eine neue Platte rausgebracht, auf der sie akustische Coverversionen ihrer eigenen, sowie zwei fremder Songs eingespielt haben. Die Band um Songschreiber Markus Maria Jansen und Mike Pelzer (hier mein Bandportrait von letztem Jahr) waren immer Grenzgänger zwischen Folk, Rock und Punk, aber mit dieser Platte findet eine elegante Rückbesinnung auf den Kern ihrer Musik statt, den Folk. Um allerdings einem Missverständnis vorzubeugen, eine reine Folkplatte ist das auch nicht, denn die Stilrichtungen auf ihr sind vielseitig und gehen vom Rock bis hin zur minimalistischen Musik in der Klassik.

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Bebildert ist die Plattenhülle von Dogma 13 mit Tiermotiven (Fotos: Markus Maria Jansen)

Allein der erste Song „Pluto“ ist in meinen Augen ein Argument, diese Platte immer wieder zu hören: Pluto war 1989 namensgebenden für einen der größten Erfolge von M.Walking On The Water, der Gitarrenrockplatte „Pluto“, mit der die Band es zur „Platte des Monats“ im Musikexpress und damit den Durchbruch schaffte – und das zu Recht. Allerdings war der Song „Pluto“ selbst nach meiner Wahrnehmung auf dieser Platte, auf der es sonst von wilden punkigen Ohrwürmern nur so wimmelte, ein merkwürdig esoterischer Fremdkörper. Die Idee des Songs ist es, sowohl in der Stimmung als auch im Tempo die Umlaufbahn des Plutos zu adaptieren, der 248 Jahre um die Sonne braucht und damit eine andere Schwingung hat als die Erde. Mit der Version auf „Dogma 13“ habe ich diesen Song endlich verstanden und das ist großartig: Dieser meditative Song entwickelt seine Schwingung und Wucht in einem breiten Klangteppich, seine Mystik kommt voll zur Entfaltung. Gerade in diesem Song nimmt die Band nach meinem Verständnis die Tuchfühlung zu den klassischen Komponisten Arvo Pärt und Phil Glass auf, die durch minimalistisch variierte Klangmuster sphärische Klangräume erzeugen, und das gelingt der Band auch mit diesem Song.

Aber die Platte hat weitere Facetten: Wer die zwei Fremdcover noch nicht kennen sollte,  – sprich alle Neuhörer, denn die Fans freuen sich bereits seit 2013 über diese Songs – aufgepasst: Die Band hatte (bereits 2011) Depeche Modes „Enjoy the Silence“ auseinander genommen, seziert und neu zusammengesetzt und es kommt auch hier ein anderes Lied im 6/8-Takt heraus. Das melancholische „Fade to Grey„, das die Band bereits 2015 herausbrachte, ist ein wunderbare Walzerversion im Stile eines melancholischen französischen Chansons, entwickelt aus einem electronic Pop-Song der Band „Visage“ von 1981, hier das Video, das zeigt, wie sehr M.Walking On The Water in der Lage ist, mit so einem Cover etwas völlig Neues zu entwickeln. Wer die 1988er Platte „The Walz“ mag, wird „Dogma 13“ lieben!

Auch die Eigencover sind toll, die meisten kommen tatsächlich von Pluto. „Anymore“ ist gelungen. „Party in the Cemetry“ wird bis heute in Göttingen bei „Profs at Turntable“ gespielt und verdient eine Folkversion und auch „Pink Pinks“ von der ersten Platte (M. Walking on the Water von 1986) ist einer meiner Lieblingssongs und in dieser lässigen Folk-Version auf den Kern reduziert.

Auch das etwas manische „Poison“ (von „Elysian“ von 1991, einem merkwürdig unterschätzten Werk der M’s) klingt überraschend in neuem Gewande: Wer die akustische Version von 2010 von der „Unplugged Boat Session @Flensburg“ kennt, sieht hier eine deutliche Weiterentwicklung. Bereits die 2010er Version war eine gute Folkversion, die Dogma 13-Version ist dagegen absolut erstaunlich, zwischen überschwänglichem Irish Folk im Intro (Axel Ruhland auf der Violine) und dem durchlaufenden, nervösen und eher depressiven Basslauf  (Konrad Mathieu am Bass) entsteht eine manisch-getrieben Grundstimmung im Song.

Und zum Schluss die ruhige Ballade „Day to Day„, die bereits 1989 auf Pluto ein Highlight war. In dieser stillen akustischen Version zeigt die Band die Kunst der radikalen Reduktion auf das Wesentlich, den Gesang von Mike Pelzer, der eine beeindruckende gesangliche Leistung zeigt.

Es ist insgesamt eine Freunde, von dieser Band wieder etwas neues zu hören!

Die Songs erscheinen als Download Anfang Mai 2018 bei FUEGO (hier die Band-Seite), sowie auf den üblichen online Vertriebswegen. Genaueres, sobald ich es weiß. Eine Vinyl-Version kann man bereits jetzt bestellen, was ich getan habe und was sich lohnt.

Die Serie „The Sound of Independence“ wird hier hoffentlich bald fortgesetzt, Zeit bleibt allerdings ein knapper Faktor.

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