Shiny Gnomes – Searchin‘ for Capitola

Die Shiny Gnomes aus Nürnberg haben im November eine neue CD herausgebracht, die es in sich hat. Die Band hat wohl im letzten Jahr ihre Wurzeln neu vermessen und herausgekommen ist ein Meisterwerk! Wie bereits in meinem Blogbeitrag vom 18. August 2017 beschrieben hat die Band in den letzten Jahren eine Umbesetzung vorgenommen, ihre Aktivitäten verstärkt und zu neuer Kreativität gefunden. Bereits die vorherige CD war gelungen, diese hier ist außergewöhnlich gut! Was gute Tonträger ausmacht ist eine durchgängig hohe Qualität der Songs: Ein bis zwei Hits kriegen viele Bands hin, aber häufig fällt die Qualität von CDs bei den sonstigen Songs stark ab.

Searchin for Capitola.jpg

Searchin‘ for Capitola ist dagegen eine Ansammlung von durchweg sehr gut komponierten Songs. Die Band hat ihren Sound zwar nicht großartig verändert, aber die Idee, den Garagenrock der Sixties, Psychedelic und Folk zur Stilrichtung Psycho-Pop zu verbinden kommt noch besser auf den Punkt: Auf dieser CD ist gerade in den Keyboard-Sequenzen der Sound der frühen Pink Floyd hörbar, wir sehen im Hintergrund Emily beim Spielen zu. Aber weil es Psycho-Pop ist, kommen diese Soundelemente subtil, unprätentiös und ohne das überdrehte Pathos von Cream oder Emerson Lake and Palmer daher. Treffend ist insofern auch die Liedzeile im Song „For us“: „We’re into music, we’re into sound!“ Gerade an der genauen Abstimmung von breit angelegten Keyboard-Sequenzen und rhythmischen Bass-Schlagzeug-Kombinationen ist dies gut hörbar. Sehr schön sind auch die fluffigen Beats in „World of their own“ oder das kontemplative „Rivers and mountains”.

Auf dieser CD sticht trotzdem ein Song heraus, gerade aufgrund seiner textlichen Qualität. „Feel like starting again“ ist zunächst oberflächlich betrachtet ein Song über eine Wanderung und einen Neuanfang:

I went up the highest mountain // like a bird I flew in the sky

Vom Berg aus hat man den besten Überblick über das Tal oder das eigene Leben.

I believed in magic and romance

ist Zusammenfassung der bisher gültigen Glaubenssätze. Aber man könnte auch fragen, wieviel davon trägt über die Jahre? Es geht hier um einen Neuanfang, daher binden wir die Schuhe und wandern entlang an einem matschigen Fluss in das Tal, in dem dann nicht mehr die klare Schönheit der Berggipfel dominiert, sondern in dem eine Hütte mit kaputten Türen und Fenstern wartet.

Das ist schon ein starker Text, dieser Song erinnert mich entfernt an Hermann Hesses Siddhartha. Es geht um das Prinzip des Neuanfangs und natürlich ist der Text auch als spirituelle Wanderung lesbar, allerdings ohne jede aufdringliche Esoterik. Musik und Text sind in diesem, wie auch in den anderen Songs auf das Wesentliche reduziert und angenehm hörbar. Die ganze CD ist auch ein Dokument des guten Songwritings von Sänger Limo.

Fazit: Die Band hat sich selbst übertroffen und eine ihrer besten CDs aufgenommen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese CD in den nächsten Monaten auch über den festen Kern der Fans hinaus für Aufsehen sorgen wird. Insofern Leute, greift zu! Ihr verpasst sonst etwas.

PS: Die Serie „Sound of Independence“ geht demnächst weiter, die Texte für die nächsten Indie-Bands sind bereits skizziert, im Laufe des Dezember werde ich weitermachen.

Die CD ist erhältlich:

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